Dass IT-Sicherheitslücken nicht nur eine Gefahr für staatliche Institutionen oder die Wirtschaft darstellen, sondern auch für Rechtsgüter wie Leib und Leben wurde kürzlich durch das Hacken eine sogenannten Signaturwaffe (auch: „Smart Gun“ oder „iGun“) illustriert. 1https://www.golem.de/news/armatix-smart-gun-laesst-sich-mit-magneten-hacken-1707-129111.html

Signaturwaffen sind Schusswaffen, die nur durch eine autorisierte Person entsichert und abgefeuert werden können, wodurch eine missbräuchliche Verwendung verhindert werden soll. 2https://www.golem.de/news/smart-guns-biometrische-lizenz-zum-schiessen-1407-107645.html Hierzu existieren verschieden Verfahren. Zum einen besteht die Möglichkeit der Sicherung über das Erfordernis einer Eingabe eines Pin (Personal Identification Number) oder mithilfe eines elektronischen Systems. In letzterem Fall trägt der Schütze einen Sender, beispielsweise in Form eines Rings oder Armbands, welcher einen Funkchip (Radio Frequency Identification, RFID) enthält. Kommt der Schütze in die Nähe der Signaturwaffe, so wird der Sender aktiviert, sendet wiederum einen Identifizierungscode an die Waffe wobei diese aktiviert wird, wenn die Codes übereinstimmen. Im konkreten Fall hatte ein Hacker mit dem Pseudonym „Plore“ aufgezeigt, dass und wie diese Sicherheitsmechanismen überwunden werden können. 3https://www.heise.de/security/meldung/Sicherheitstechnik-einer-smarten-Pistole-geknackt-3786362.html Durch die Platzierung starker Magneten auf Höhe des Elektromagneten ließ sich die Waffe ohne Freigabe verwenden. Dadurch entstehen mannigfaltige Gefahren, die die Vorteile der Konstruktion einer solchen Waffe gegenüber mechanischen Sicherungsalternativen, überwiegen. Durch die vermeintliche Sicherung der Waffe wird sich ein Eigentümer oftmals nicht dazu veranlasst sehen diese darüber hinaus zu sichern, sodass Kriminelle der Waffe einfacher habhaft werden können. Die einfache Möglichkeit der Entsicherung bietet dann die Möglichkeit zur Begehung schwerer Straftaten. Weiterhin konnte der Hacker durch den Einbau von Schaltungen die Funkstrecke verlängern, sodass ein Entsperren über eine größere Entfernung möglich war. Schließlich war es möglich den Sender zu stören, sodass eine Freigabe der Waffe nicht mehr möglich war. Dadurch ist es dem Schützen, beispielsweise in Notwehrsituationen, verwehrt die Waffe zu seinem eignen oder dem Schutz anderer Personen einzusetzen, sodass wiederum eine erhebliche Gefahr für Leib und Leben besteht. Glücklicherweise wurden diese gravierenden Sicherheitslücken durch den Hacker gegenüber dem Wired-Magazin aufgedeckt, sodass bislang keine Personen Schaden davon getragen haben.

Nichtsdestotrotz wird dadurch erheblicher Handlungsbedarf aufgezeigt. Zum einen sind die Hersteller angehalten die Möglichkeiten von Hacking bei der Konstruktion derartig gefährlicher Produkte noch mehr als bislang miteinzubeziehen. Darüber hinaus sollte der Gesetzgeber, aufgrund der erheblichen Gefahr für wichtige Rechtsgüter, tätig werden um einheitliche Sicherheitsstandards zu gewährleisten. Das Waffengesetz sollte hierzu novelliert werden. Es könnten beispielsweise, § 8 BSIG entsprechend, in den §§ 21 ff. WaffG verpflichtende rechtliche Vorgaben für sogenannte „Smart Guns“ festgelegt werden. Diese sollten laufend aktualisiert werden. Auch in Zukunft sollten darüber hinaus elektronische Sicherungsmöglichkeiten den Eigentümer nicht von „klassischen“ Sicherungspflichten gem. § 36 Abs. 1 WaffG, wie der Aufbewahrung in einem Panzerschrank, entbinden.

Referenzen   [ + ]

1. https://www.golem.de/news/armatix-smart-gun-laesst-sich-mit-magneten-hacken-1707-129111.html
2. https://www.golem.de/news/smart-guns-biometrische-lizenz-zum-schiessen-1407-107645.html
3. https://www.heise.de/security/meldung/Sicherheitstechnik-einer-smarten-Pistole-geknackt-3786362.html